Die feine, weiche Wolle von Merino-Schafen ist im Unterschied zur Wolle anderer Schafrassen weitgehend kratzfrei. Aufgrund ihrer guten klimatischen und geruchshemmenden Eigenschaften ist Merino-Wolle heute ein äußerst beliebtes Naturmaterial für die Herstellung von direkt auf der Haut getragener Funktionsbekleidung.
Leider hat die Wolle dieser Schafrasse aber auch eine Schattenseite: Um den Wollertrag zu steigern, wurden Merino-Schafe so gezüchtet, dass sich bei ihnen starke Hautfalten bilden. Diese Hautfalten (vor allem im Bereich unterhalb des Schwanzes) nutzt eine spezielle Fliegenart zur Eiablage. Die Fliegenmaden fressen sich nach der Schlüpfung in Haut und Unterhaut und können so schwere Infektionen verursachen, die für viele Merino-Schafe tödlich enden.
Besonders in Australien, aus dem der Großteil der weltweit verarbeiteten Merino-Wolle stammt, ist die Schaf-Schmeißfliege weit verbreitet. In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts entdeckte der Schafzüchter John H. Mules durch Zufall (er entfernte versehentlich beim Scheren eines Schafs eine Hautfalte unterhalb des Schwanzbereichs), dass Schafe, die in diesem Bereich keine Hautfalte und damit auch keine Wollbehaarung besaßen, wesentlich seltener von Fliegen befallen wurden. Nach dieser Entdeckung entwickelte er das nach ihm benannte Mulesing-Verfahren, bei dem den Lämmern ohne Betäubung -und meist auch ohne Nachbehandlung- eine Hautfalte unterhalb des Schwanzes entfernt wird.
In vielen Ländern ist Mulesing aus Tierschutz-Gründen mittlerweile verboten u. a. Neuseeland. In Australien gibt es derzeit nur ein freiwilliges Verbot. In Südamerika, Südeuropa und Südafrika ist Mulesing nicht nötig, da es dort die problematische Fliegenart nicht gibt.
Für die mit unserem Icon Merino-Wolle (mulesingfrei) gekennzeichneten Produkte liegt uns eine entsprechende Angabe bzw. ein Nachweis des Herstellers oder Lieferanten vor.